Mittwoch, 22.05.2024

Drei junge Bartgeier für die Zentralschweiz

Am 2. Juni wildert die Stiftung pro Bartgeier in Obwalden im Wildtierschutzgebiet Huetstock bei Melchsee-Frutt drei junge Bartgeier aus: Gaia, für den der Kanton Obwalden die Namenspatenschaft gesponsert hat, Paradiso und ein noch namenloses Weibchen. Ihre Auswilderung soll die noch zu geringe genetische Vielfalt der Bartgeierpopulation weiter erhöhen. Während rund acht Wochen überwacht ein Team die Junggeier und versorgt sie mit Futter, bis sich die drei eigenständig in der freien Natur zurechtfinden können.

Junge Bartgeier sollen genetische Diversität erhöhen

Gaia, Paradiso und das noch namenlose Weibchen stammen wie alle in Obwalden ausgewilderten Bartgeier aus Zuchtlinien, die in der Wildpopulation noch wenig vertreten sind. Sie und ihre Nachkommen sollen dazu beitragen, die genetische Vielfalt der Wildpopulation zu erhöhen. Seit 2015 konnten wir in Obwalden 15 Bartgeier auswildern. Davon haben 13 den Sprung in die Selbstständigkeit geschafft. Elf von ihnen haben bisher überlebt und die ersten bereits erfolgreich Nachkommen grossgezogen, allerdings noch nicht in der Zentralschweiz. Die Stiftung Pro Bartgeier hofft, dass sich auch hier bald die ersten Brutpaare ansiedeln werden.

Ein beeindruckender Erfolg des Artenschutzes

Die Wiederansiedlung des Bartgeiers im Alpenraum ist ein beeindruckender Erfolg im Artenschutz. Dieser Erfolg beruht auf einer langen und aufwändigen Geschichte. Im Jahr 1986 wurden erstmals drei junge Bartgeier im österreichischen Nationalpark Hohe Tauern ausgewildert. In den Jahren 1987, 1991 und 1994 folgten ähnliche Aktionen in Hochsavoyen, im Engadin und in den Südalpen. 1997 gelang schliesslich die erste erfolgreiche Brut in Hochsavoyen und seit 2007 brüten Bartgeier auch in der Schweiz.

Insgesamt wurden bisher 251 Bartgeier im gesamten Alpenraum ausgewildert, die bisher für 461 Nachkommen in freier Wildbahn gesorgt haben und die Population jedes Jahr weiter anwachsen lassen. Allerdings ist die genetische Vielfalt der Wildpopulation immer noch sehr gering, weil viele der Bartgeier in der Wildpopulation von nur wenigen Tieren aus der Zucht abstammen. Dadurch besteht die ernsthafte Gefahr von Inzucht, die den Erfolg des Projekts gefährden könnten.

Gefiederschäden als Resultat von Inzucht?

Tatsächlich wurden bereits drei wildgeschlüpfte Bartgeier gefunden, die nicht fliegen konnten, weil das Gefieder nicht richtig entwickelt war. Wir müssen davon ausgehen, dass dieses Problem aufgrund von Inzucht entstanden ist Damit das Inzuchtrisiko sinkt, wildert die Stiftung daher weiterhin Bartgeier aus genetisch noch wenig vertretenen Linien aus.

Namenspatenschaften helfen den Bartgeiern

Die Wiederansiedlung der Bartgeier wird durch Spenden und Gönnerbeiträge finanziert. Namenspatenschaften spielen dabei eine wichtige Rolle. Der Kanton Obwalden hat als Zeichen der Unterstützung die Namenspatenschaft für den Bartgeier Gaia übernommen. Bartgeier Paradiso hat einen privaten Namenspaten gefunden. Nun soll auch das dritte Tier, ein junges Weibchen, eine Namenspatenschaft erhalten. Mit einem Namenswettbewerb wollen wir es einer breiten Gruppe von Bartgeierfans ermöglichen, über den Namen abzustimmen und damit diese Patenschaft gemeinsam zu sponsern. Der Namenswettbewerb kann über den Link www.bartgeier.ch/name-gesucht erreicht werden.

Die Bartgeier können besucht werden

Während der Auswilderungsperiode kann man die Junggeier besuchen. Am Auswilderungsstandort im Eidgenössischen Wildtierschutzgebiet Huetstock bei Melchsee-Frutt betreibt die Stiftung Pro Bartgeier einen Infostand, von dem aus man die Junggeier gut beobachtet kann. Mit dem Bilderblog berichtet das Projektteam täglich über das Geschehen vor Ort und über eine Webcam kann man die Bartgeier direkt beobachten (www.bartgeier.ch/auswilderung).

 

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