Von Fortunat wussten wir, dass er bereits seit längerer Zeit vorwiegend in Frankreich unterwegs war (s. hier und die Karte). Unsere Kolleg:innen der Französischen Geierschutzorganisation "Vautours en Baronnies" hatten uns zudem die Information zukommen lassen, dass er mit einem weiteren Bartgeier unterwegs war. Ob es sich dabei um ein Weibchen handelte, konnten sie uns leider nicht sicher sagen. Das Team hatte ausserdem an einer Wasserstelle eine Wildtierkamera aufgestellt, mit der sie Fortunat, einen zweiten Bartgeier und einen Gänsegeier filmen konnten (s. Video unten). Auch erreichten uns eindrückliche Fotos von Fortunat, die zeigen, wie er einen grossen Knochen trägt (s. Bildergallerie). Aufgrund dieser Beobachtungen vermuteten wir, dass Fortunat in Frankreich seine neue Heimat gefunden hatte und sich dort ansiedeln würde.
Zu unserer grossen Überraschung zeigten dann allerdings die GPS-Daten von Fortunat am 12. Juni 2025, dass er nach Norden unterwegs ist. Innerhalb von drei Tagen flog Fortunat knapp 700 Kilometer Luftlinie zurück in die Schweiz und erreichte schliesslich das Glarnerland, wo er seither unterwegs ist.
Bartgeier zeigen ein sogenannt phylopatrisches Verhalten. Das bedeutet, dass ein grosser Anteil der Tiere in der Region brütet, in der diese Individuen auch ausgeflogen sind. Allerdings starten Bartgeier erst ein paar Jahre nach ihrem Ausflug mit der ersten Brut. Diese Zeit dazwischen nutzen sie, um grosse Streifzüge zu unternehmen. Wir hoffen natürlich, dass diese Treue zum Ausflugsort auch auf Fortunat zutrifft und er sich bald ein Territorium und eine Partnerin in der Schweiz sucht. Er ist jetzt fünf Jahre alt und es wäre gut möglich, dass er bereits im Herbst einen Brutversuch unternimmt.