Donnerstag, 25.03.2021

Es ist Kükenzeit

Die Stiftung Pro Bartgeier plant, auch diesen Frühsommer wieder junge Bartgeier bei Melchsee-Frutt auszuwildern (Auswilderung 2021>>). Damit wir dieses Vorhaben umsetzen können, sind wir auf geeignete Jungtiere aus der Zucht angewiesen.

Ohne Zucht keine Wiederansiedlung

Diese Jungtiere stammen aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für Bartgeier. Nur dank dem Zuchtprogramm ist die Wiederansiedlung möglich. Denn in einem verantwortungsvoll durchgeführten Wiederansiedlungsprojekt werden keine Individuen aus gefährdeten Wildbeständen entnommen. Rund vierzig Zoos und Zuchtstationen beteiligen sich am EEP, in der Schweiz sind dies der Natur- und Tierpark Goldau und der Parc Animalier von La Garenne.

Die Aufzucht der Küken ist anspruchsvoll

Bartgeier brüten mitten im Winter. Im Januar legt das Weibchen maximal zwei Eier, die es gemeinsam mit dem Männchen während 54 Tagen bebrütet. Je nach Zeitpunkt der Befruchtung schlüpfen die Jungtiere zwischen Februar und März. In den Zoos und Zuchtstationen sind bereits über 20 Küken geschlüpft. Wie dies auch das Video der Vulture Conservation Foundation zeigt (s. unten), ist die Aufzucht der empfindlichen Jungtiere eine diffizile Angelegenheit. Deshalb können wir noch nicht abschätzen, wie viele Jungtiere für die Auswilderung bzw. für die Bildung neuer Brutpaare im Zuchtprogramm zur Verfügung stehen werden.

Zuchtprogramm oder Auswilderung

Welche Zukunft die Junggeier erwartet, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Priorität hat das Zuchtprogramm mit dem Ziel, die genetische Diversität zu erhalten und ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis zu erreichen. Die Jungtiere, die nicht für die Zucht vorgesehen sind, werden in den Regionen Andalusia und Maestrazgo in Spanien, in Korsika und im Alpenraum ausgewildert. Jede Region erhält zumeist zwei Jungtiere, die möglichst gleich alt sein müssen. Langfristig muss zudem darauf geachtet werden, dass in den verschiedenen Regionen die gleiche Anzahl weiblicher und männlicher Geier ausgewildert werden.

Genetisch wertvolle Junggeier für die Schweiz

In den Alpen wächst die Bartgeierpopulation inzwischen aus eigener Kraft. Dennoch braucht es zwingend weitere Auswilderungen. Denn zum einen muss die noch sehr geringe genetische Diversität im Alpenbestand verbessert werden und zum anderen wird mit Auswilderungen in der Peripherie der Alpen versucht, die Alpenpopulation mit anderen Bartgeierpopulationen zu vernetzen.

Bartgeier, die in der Schweiz ausgewildert werden, haben sehr gute Überlebenschancen. Deshalb werden hier die Individuen ausgewildert, die besonders viel zur genetischen Diversität im Alpenbestand beitragen. Die Chancen, dass solche Jungtiere auch im Jahr 2021 zur Verfügung stehen, stehen gut. Definitiv wissen wir dies im Verlauf des Aprils.

Die Prägungsphase ist entscheidend

Junge Bartgeier werden üblicherweise im Alter von 90 bis 100 Tagen ausgewildert. In diesem Alter sind sie weit genug entwickelt, dass man sie von den Eltern trennen kann. Zudem haben sie vor ihrem ersten Flug rund drei bis vier Wochen Zeit, sich an die lokalen Bedingungen zu gewöhnen, sich ihre neue Heimat einzuprägen und eine Bindung an die Auswilderungsregion zu entwickeln. Mit dieser Vorgehensweise erreichen wir, dass sich viele der ausgewilderten Bartgeier, wenn sie nach fünf bis sieben Jahren geschlechtsreif sind, in der Auswilderungsregion fürs Brüten niederlassen.

Bei der Auswilderung mit dabei sein

Möchten Sie bei der Auswilderung mit dabei sein? Dann können Sie uns und die jungen Bartgeier am Auswilderungstag begleiten. Oder sie können uns über den Sommer hinweg an unserem Infostand besuchen, wo Ihnen unsere Team bei der Beobachtung der Junggeier hilft und Ihnen Auskünfte über den Bartgeier und das Wiederansiedlungsprojekt geben kann. Wenn das Datum der Auswilderung definitiv bekannt ist, erhalten Sie weitere Informationen dazu über unseren Newsletter>> oder über folgenden Link: Auswilderung 2021>>

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